Irgendwann müssen doch die Zinsen in Deutschland aus den Tiefen der Bedeutungslosigkeit emporklettern und wenigstens wieder die Ein-Prozent-Marke knacken, mag sich der ein oder andere Sparer hierzulande voller Zuversicht denken. Allzu große Hoffnungen sollten sich Anleger diesbezüglich aber nicht machen. Ein Blick auf die Zinsentwicklung für Festgeldeinlagen ausgewählter Banken offenbart gegenteilige Tendenzen. Fast alle deutschen Geldinstitute haben die Renditeversprechen auf ihre Produkte in den vergangenen Wochen und Monaten noch einmal deutlich nach unten korrigiert.


Der Weg aus der Zinswüste ist lang: deutsche Banken liefern sich einen Wettbewerb um die renditenärmsten Festgeld-Angebote.

Das unabhängige Finanzportal sparkonto.org hat die Zinsbewegungen bei verschiedenen Festgeldern von rund 50 Banken aus dem In- und Ausland verglichen. Positive Entwicklungen im Sinne der deutschen Sparer sind flächendeckend Fehlanzeige. Wobei sich in unseren Nachbarländern nach wie vor wesentlich lukrativere Angebote finden lassen.

Sinkende Zinsen – wohin der Anleger blickt

Es spielt eigentlich keine Rolle, wie viel und auf welche Dauer die Sparer ihr Geld zu Festzinsen anlegen wollen, hohe Renditen lassen sich bei deutschen Banken nicht erwirtschaften. Viele Sparkassen und Raiffeisenbanken haben gegen Ende des vergangenen Jahres ihre Niedrigzinssätze von maximal 0,4 Prozent auf einjährige Festgelder noch einmal um 0,1 bis 0,2 Prozent oder noch weiter nach unten verschoben. Auch die Branchenriesen Deutsche Bank und Commerzbank bieten seit Monaten nur noch 0,2 Prozentpunkte Rendite auf Festgelder mit gleicher Laufzeit.

Die meisten Banken und Sparkassen wollen statt das Beste für ihre Kunden nur das Beste von ihren Kunden, das Geld.Hermann-Josef Tenhagen, Chefredakteur Finanztip, Spiegel Online vom 21.02.2015

Drastische Zinssenkungen konnten bei oben genannten Finanzhäusern zwar nicht festgestellt werden. Dies muss aber auch nicht weiter verwundern, schließlich war das Zinsniveau ohnehin schon äußerst bescheiden. Nicht selten gibt es gar nur noch 0,05 Prozent auf ein- bis dreijährige Festgelder bei unseren Sparkassen – noch größere Sprünge in Richtung Zinskeller sind deshalb laut Finanzexperten kaum zu erwarten. Schließlich will man in Frankfurt, Leipzig, Osnabrück und Co. seine Kunden nicht noch weiter schocken. Und für Neukunden haben sich die Strategen etwa der Deutschen Bank längst etwas ganz Raffiniertes ersonnen.

Manche Banken locken mit vermeintlich lukrativen Sonderzinsen

Schon seit Monaten wirbt Deutschlands größte Bank mit Zinsen von einem Prozent auf Festgeld. Allerdings gilt dieses Angebot ausschließlich für Neukunden und lediglich für eine Laufzeit von sechs Monaten. Danach müssen sich die Anleger wieder mit den bescheidenen Zinsen zwischen 0,2 Prozent (Laufzeit ein Jahr) und 0,6 Prozent (sieben Jahre) zufrieden geben. Oder sich eben nach neuen Angeboten umsehen.

Dabei muss man zuweilen äußerst schnell sein, wie das Beispiel der Deutsche Bank-Tochter Norisbank zeigt. Wer hier etwa in der letzten Dezemberwoche 2014 eine Festgeldeinlage mit vierjähriger Laufzeit abschloss, der durfte sich noch über eine jährliche Rendite von 1,3 Prozent freuen. Wer sein Investitionsvorhaben nur um wenige Tage ins neue Jahr verschoben hat, der dürfte wohl einen gewaltigen Schock bekommen haben. Über den Jahreswechsel drückte die Norisbank ihren Festzins kurzerhand auf nur noch 0,2 Prozent p.a. – eine drastische sowie in Deutschland einzigartige Senkung von 1,1 Prozentpunkten.

Aber auch andere Institute reduzierten ihre Zinsen deutlich. Die britische Barclays Bank bietet seit Ende Januar nur noch 0,3 Prozent auf ihr 4-Jahres-Festgeld (- 0,8 Prozent); die Deutsche Kreditbank (DKB) senkte für das gleiche Produkt die Zinsen auf immerhin noch 0,85 Prozent (- 0,65 Prozent); bei der niederländischen Rabobank gibt es seit Dezember nur noch 0,55 Prozent (- 1,05 Prozent) – diese Aufzählung ließe sich beliebig weiterführen.

Kurzfristige Zinsanhebungen als Marketingstrategie

Es gibt aber auch Banken, vorwiegend aus dem Ausland, die in jüngerer Vergangenheit durch positive Zinssprünge Aufmerksamkeit erregt haben – allerdings aus strategischem Kalkül. So erhöhte etwa die estnische Bigbank im Oktober 2014 ihre Zinssätze auf Festgeld für alle Laufzeiten um bis zu 0,35 Prozent, nur um sie dann im Dezember bzw. im Januar 2015 wieder auf ihr Ursprungsniveau fallen zu lassen. Ein ähnliches Projekt startete die russische VTB: Ein bis zwei Monate konnten hier Neukunden von bis zu 2,5 Prozent auf Festgeld mit fünfjähriger Laufzeit profitieren. Danach sanken die Renditen wieder deutlich.

Diese kurzfristigen Zinsanhebungen scheinen zu einem beliebten Marketinginstrument zu werden. Lassen sich so doch – wenn auch nur für wenige Wochen – in den Zinsrankings der Vergleichsportale schnell und bequem ein paar Plätze gut machen.

Aber Beispiele wie diese zeigen, dass es sich für Sparer lohnen kann, regelmäßig die Angebote verschiedener Banken zu vergleichen. Wer dann auch noch in der Lage ist, entschieden und schnell zu handeln, kann von diesen kurzfristigen „Sonderangeboten“ sehr profitieren.

Einen umfangreichen und aktuellen Überblick über Zinssenkungen (und ggf. Zinserhöhungen) beim Festgeld bietet das unabhängige Vergleichsportal sparkonto.org