Die weltweite Finanzkrise von 2008 hat in Deutschland und anderen europäischen Ländern dazu geführt, dass die Zinsen für Bankeinlagen deutlich gesunken sind. Insbesondere beim Festgeld, eine der beliebtesten Sparanlagen der Deutschen, wird das historisch niedrige Zinsniveau spürbar. Die von deutschen Banken und Sparkassen angebotenen Sparzinsen auf diese Anlageklasse sind nicht selten so niedrig, dass selbst bei nur leicht steigender Inflation Sparguthaben real entwertet werden. Anlagen zum aktuellen durchschnittlichen Zinssatz verlieren somit effektiv an Wert.

Gründe für die niedrigen Zinsen in Deutschland

Die niedrigen Festgeldzinsen in Deutschland werden von mehreren Faktoren bestimmt. So ist etwa der Kapitalbedarf deutscher Banken derzeit äußerst gering. Hiesige Institute verfügen aktuell über rund fünf Billionen Euro an Kundengeldern, sind dadurch kaum auf frisches Geld von privaten Sparern angewiesen und werben deshalb auch nicht mit hohen Zinsen um das Ersparte der Deutschen.
Ein weiterer Faktor für die Niedrigzinsen ist der direkt durch die Europäische Zentralbank (EZB) festgelegte Leitzins. Dieser ist zur Begünstigung von Investitionen bzeziehungsweise zur Stärkung der Wirtschaft im Allgemeinen schon seit Jahren sehr niedrig. Die Banken orientieren sich an den Vorgaben der EZB und geben entsprechend die niedrigen Zinsen an ihre Kunden weiter.

Gründe für die höheren Zinsen im EU-Ausland

Mit Blick auf die aktuellen Sparzinsen beim Festgeld zeigen sich im Ländervergleich deutliche Unterschiede. In vielen EU-Staaten sind die Zinsen auf Festgeldeinlagen wesentlich höher als in Deutschland. Die Gründe hierfür sind in erster Linie in den unterschiedlichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu suchen.

  • Refinanzierungsbedarf: Die meisten Länder in der Europäischen Union verzeichnen ein höheres Wirtschaftswachstum als Deutschland. Viele Unternehmen benötigen Bankkredite, wodurch die Banken wiederum einen erhöhten Bedarf an Refinanzierung haben. Ein Teil der Refinanzierung wird dabei durch Festgeldeinlagen privater Sparer realisiert. Höhere Zinsen sind damit als Investitionsanreiz zu sehen. 
  • Inflationsentwicklung: Zukünftige Preissteigerungsraten wirken sich ebenso auf das Zinsniveau aus. So machen hohe Inflationsraten etwa die Anlage in niedrig verzinste Sparprodukte unattraktiv und setzen damit Banken in gewisser Weise unter Druck. 
  • Konjunkturentwicklung: Auch das Konsumverhalten und die generelle konjunkturelle Entwicklung des nationalen Marktes wirken sich auf die Zinsen aus. Eine hohe Konjunktur bedeutet in diesem Fall zumeist auch höhere Zinsen. 
  • Markterwartungen: Die mittel- und langfristigen Erwartungen der Marktteilnehmer an das zukünftige Zinsniveau spiegeln sich ebenfalls in den Zinsstrukturen wider und beeinflussen auch das aktuelle Zinsniveau. 
  • Leitzinsen: Der EZB-Leitzins, aber auch andere Markt-Zinssätze wie der EURIBOR, haben auch in unseren Nachbarländern Einfluss auf die Höhe der Festgeldzinsen. Aufgrund der bereits genannten Faktoren ist das Zinsniveau dennoch deutlich höher als in Deutschland.

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