Wer dieser Tage sein Erspartes gewinnbringend anlegen möchte, wird beim Besuch des Kundenberaters der örtlichen Hausbank schnell feststellen, dass in Deutschland kaum große Gewinne zu erwarten sind. Dabei spielt es quasi keine Rolle, welche Anlageoption der Kunde wählen möchte: Ob Tagesgeld, Festgeld, Sparbrief oder das klassische Sparbuch - die in Geld schwimmenden Bankhäuser hierzulande scheinen sich im Wettbewerb um Niedrigzinsen geradezu überbieten zu wollen. Zum Ärger der Kunden.

Mit dem Fernglas über die Landesgrenzen hinaussehen: Bei Geldanlagen im Ausland hohe Zinsen erspähen

Höhere Zinsen lassen sich in europäischen Nachbarstaaten erspähen. - Quelle: Günther Gumhold/pixelio.de

Sicher, wer genug Geld zur Verfügung hat, riskante Geldgeschäfte nicht scheut und zudem über aktuelle Entwicklungen auf den Finanzmärkten dieser Welt jederzeit bestens informiert ist, der muss sich um die bescheidene Zinsentwicklung nicht besonders grämen. Auf die Mehrheit der deutschen Sparer trifft dies aber wohl kaum zu. Auf Aktien oder kompliziert geschnürte Investmentfonds setzen hierzulande die wenigsten Menschen. Die beliebteste Form der Kapitalanlage in Deutschland sind nach wie vor die Bankeinlagen – rund 41 Prozent des deutschen Kapitals sind auf diese Weise gebunden. Doch gerade diese Anlageformen sind vom derzeitigen Zinstief besonders betroffen.

Hat das Festgeld ausgedient?

Deshalb schrecken viele Deutsche dieser Tage auch davor zurück, ihr Erspartes in Festgeld zu investieren. Wer wenigstens Zinssätze von mehr als 1,5 Prozent pro Jahr auf seine Einlage bekommen möchte, der muss in der Regel sein Geld hierzulande schon für mindestens sechs bis zehn Jahre anlegen. Doch da das Geld über den gesamten Zeitraum fest gebunden ist, stellt dies nur für all jene eine Option dar, die längerfristig auf ihr Erspartes verzichten können. Wer flexibel bleiben möchte, der sollte von Anlagen mit einer Laufzeit von mehr als 60 Monaten Abstand nehmen, empfehlen Finanzexperten. Zudem sollte man nicht die Hoffnung aufgeben, dass in drei bis vier Jahren die Zinsen wieder steigen. Pech für diejenigen dann, die ihr Geld auf lange Zeit zu mittelmäßigen Zinsen angelegt haben und nicht mehr aus ihren Verträgen herauskommen.

Flexibel bleiben und Angebote aus dem Ausland nutzen

Festgeldeinlagen sind deshalb aber noch lange keine ausgedienten Sparmodelle. Nur sollten eben die Anleger beachten, über welchen Zeitraum und bei welcher Bank sie ihr Erspartes binden wollen. Wer unabhängig bleiben und auf positive Zinsänderungen schnell reagieren will, der sollte lieber auf Festgeldeinlagen mit einer kurz- bis mittelfristigen Laufzeit von ein bis fünf Jahren setzen.

Daneben lohnt es sich zunehmend, einen Blick auf die Angebote von Banken in unseren europäischen Nachbarländern zu werfen. Selbst bei Festgeld mit einer Laufzeit von nur zwölf Monaten lassen sich hier nicht selten Zinsen von bis zu 1,4 Prozent pro Jahr oder sogar mehr erzielen. Und dabei sind die Einlagen, sofern sie bei Banken mit Sitz in einem EU-Mitgliedsstaat getätigt werden, auch noch gesichert. Denn das Sparguthaben der Anleger muss gemäß EU-Richtlinien bis zu einer Summe von 100.000 Euro pro Bank und Kunde durch nationale Sicherungsfonds garantiert werden. Auf fuolgender Seite gibt es weitere Informationen zur Geldanlage im Ausland.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld bereits im Ausland an

Waren die Vorbehalte deutscher Sparer, ihr Geld bei Banken mit Sitz außerhalb der Bundesrepublik anzulegen, vor wenigen Jahren noch groß, so hat sich dies angesichts der niedrigen Zinsen hierzulande inzwischen deutlich geändert. Mit rund zwei Billionen Euro befindet sich zwar der Großteil des deutschen Sparvermögens weiterhin auf innerdeutschen Konten, doch haben bereits rund 20 Prozent der Anleger zusätzlich Konten in unseren Nachbarländern eröffnet. Für Finanzexperten wie Daniel Franke, Geschäftsführer des Vergleichsportals tagesgeldvergleich.net, ein konsequenter Schritt. Sowohl Festgelder bei deutschen Banken als auch Bundeswertpapiere hält Franke derzeit für wenig interessant. Sein Appell an deutsche Sparer:

Regelmäßig Angebote vergleichen und zu Banken mit höheren Zinsen wechseln.

Daniel Franke, DIE WELT vom 23.01.2015

Informationen zu attraktiven Festgeldeinlagen in Europa finden Sie bei Savedo.

Antworten auf Fragen zur europäischen Einlagensicherung lassen sich auf den Webseiten des Bundesministeriums für Finanzen finden.