Gerade aufgrund der stark gesunkenen Zinsen kann sich der Blick für deutsche Sparer auf festverzinste Geldanlagen im europäischen Ausland lohnen. Doch wer sich für eine Festgeldanlage entscheidet, sollte auf einige wichtige Kriterien Acht geben. Dr. Ulrich Fielitz erklärt, wie Sie Ihr Geld risikobewusst und sicher anlegen.

Geldanlagen im europäischen Ausland werden immer attraktiver, da Sparer dort bessere Zinsen erzielen können als bei ihrer deutschen Hausbank. Besonders in der aktuellen Niedrigzinsphase lohnt es sich für deutsche Sparer, festverzinste Geldanlagen außerhalb von Deutschland in Betracht zu ziehen. Allerdings sollten sich Interessierte bei der Angebotsauswahl nicht nur auf die Rendite konzentrieren. Dr. Ulrich Fielitz ist Finanzexperte und selbstständiger Wissenschaftler mit den Schwerpunkten Wirtschaftsforschung und Radioecology Research Programms of GPS tracking wildlife. Auf seiner Webseite Tagesgeldvergleich.de analysiert er die Situation an den Finanzmärkten. Im Interview mit Savedo erklärt er Sparern, worauf sie bei Festgeldanlagen achten müssen und welche Risiken bestehen.

Können Sie uns relevante Kriterien nennen, die Interessierte bei der Auswahl eines Festgeldangebots oder bei einer Tagesgeldanlage beachten sollten?

Herr Fielitz: Hier steht sicherlich die Bonität der Bank an erster Stelle. Wir haben in den zur Europäischen Union gehörenden Ländern eine gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung von 100.000 Euro pro Kunde (EU-Richtlinie 2014/49/EG). Ob diese in wirtschaftlich schwachen Ländern mit geringen Reserven im nationalen Einlagensicherungsfonds für alle Sparer im Insolvenzfall ausreicht, wurde bisher noch nicht getestet.

Weitere wesentliche Kriterien sind die Kommunikations- und Zugriffsmöglichkeit sowie steuerliche Aspekte. Versucht der Anleger auf eigene Faust Festgeld anzulegen, trifft er auf erhebliche Probleme, die bereits mit der Kontoeröffnung beginnen und sich bei Formularen und Hotlines in der Landessprache fortsetzen. Da bei einer Direktanlage von Festgeld bei einer europäischen Bank außerhalb Deutschlands die Zinserträge in der Einkommensteuer angegeben werden müssen, kann hierbei für den Anleger ein erheblicher Verwaltungsaufwand entstehen.

Hier bieten Online-Plattformen wie Savedo eine sinnvolle und vereinfachende Alternative für deutsche Sparer, um im europäischen Ausland Festgeld anzulegen.

Der Zinssatz ist ebenfalls ein wichtiges Kriterium. Der Zins als Preis für das überlassene Geld sollte möglichst hoch sein. Andererseits gilt fast immer: je höher der Zins, desto höher das Risiko. Daran sollten sich Anleger immer erinnern.

Mit welchen Risiken und Problemen müssen Sparer rechnen, wenn sie ihre Festgeldanlage in einer anderen Währung als dem stabilen Euro tätigen? Und bedeutet das dann auch, dass die Angebote von Banken, die ihren Sitz in Staaten außerhalb der Euro-Zone haben, für deutsche Sparer uninteressant sind?

Herr Fielitz: Sparer sollten sich ganz klar bewusst machen: Festgeld in Euro ist eine konservative und relativ sichere Anlageform. Es gibt keine Kursverluste und am Ende der Laufzeit ist das angelegte Kapital durch die Zinszahlung mehr geworden.

Dagegen ist eine Festgeldanlage in einer Fremdwährung eine spekulative Anlage, wie wir auf unserem Vergleichsportal fremdwaehrungskonto.info ausdrücklich hinweisen, je nach der gewählten Währung sogar hoch spekulativ. Das hat folgenden Grund: Währungskurse schwanken aufgrund vieler Einflussfaktoren relativ stark. Bei Festgeld in Fremdwährung wird zu Laufzeitbeginn der Anlagebetrag in Euro in die Fremdwährung konvertiert (umgetauscht) und am Laufzeitende wieder zurückgetauscht. Die Kursentwicklung ist zum Laufzeitbeginn weitgehend ungewiss. Wenn Sie sich die Entwicklung von US Dollar, Australischem Dollar, Türkischer Lira, Schweizer Franken, Norwegischer Krone oder Südafrikanischem Rand, also den typischen Anlagewährungen, in den letzten drei Jahren ansehen, war die Kursentwicklung sehr dynamisch. Mit dem US Dollar waren zweistellige Kursgewinne möglich, mit der Norwegischen Krone wären es aber herbe Verluste geworden. Dabei sind Kursänderungen im zweistelligen Prozentbereich über ein oder mehrere Jahre ganz normal.

Für den Anleger bedeutet das: Wenn er Glück hat, kann er bei guter Kursentwicklung sein Festgeldkapital deutlich vermehren, hat er Pech, werden ihm zum Laufzeitende vielleicht nur noch 80 Prozent seines Einsatzes zurücküberwiesen.

Zum Abschluss eine letzte Frage, Sie selbst befassen sich seit etlichen Jahren mit der Zinsentwicklung in Deutschland aber auch dem Ausland. Welche Zinsentwicklung erwarten Sie im kommenden Jahr 2017?

Herr Fielitz: Es sollte in Deutschland bei den langfristigen Zinsen endlich wieder aufwärts gehen. Wir hatten jahrelang historische Niedrigzinsen. Verantwortlich waren dafür die großen Notenbanken FED (Amerikanische Notenbank) und EZB (Europäische Notenbank), indem sie die Leitzinsen um die null Prozent gehalten und zusätzlich Milliardensummen in den Kapitalmarkt gepumpt haben. Die FED hat den ersten Zinsschritt bereits im Dezember 2015 getan. Inzwischen haben sich aber wesentliche Einflussparameter in den USA wie Inflationserwartung und Arbeitsmarktentwicklung geändert. Die Renditen der Staatsanleihen sind besonders in Amerika, aber auch in Deutschland in den letzten zwei Monaten kräftig gestiegen und haben auch die Zinssätze am Kapitalmarkt positiv beeinflusst. Auch die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) spricht in ihrem Quartalsbericht, Dezember 2016 bezüglich der Zinswende von einem möglichen Paradigmenwechsel an den Märkten.

Die wichtigste Nationalbank, die amerikanische Notenbank, hat am 14. Dezember 2016 die Leitzinsen um 0,25 Prozent auf dem Korridor von 0,50 – 0,75 Prozent erhöht. Das gibt den Kapitalmarktzinsen, und somit den Festgeldzinsen, ein gutes Fundament für 2017.

Schnell und stark steigende Zinsen können aber für viele Beteiligte, insbesondere alle Kreditnehmer, wozu auch der Staaten und Bauherren gehören, gefährlich werden. Daher dürften die Notenbanken versuchen, den Zinsanstieg möglichst kontrolliert ablaufen zu lassen. Im optimalen Fall werden die Festgeldzinsen 2017 moderat zulegen. Bei 10-jährigem Festgeld könnte zum Jahresende 2017 bei den besten Anbietern wieder eine Zwei vor dem Komma stehen.


Vielen Dank für das Interview, Herr Fielitz.


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