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Steffen Wachenfeld, Mitgründer und Geschäftsführer von Savedo, über das Geschäftsmodell des Online-Marktplatzes, die Attraktivität von Festgeld und Savedos Pläne für die Zukunft.  

Herr Wachenfeld, die Zinsen in Deutschland und Österreich auf Festgeld sind im Keller. Warum bieten Sie über den Savedo-Marktplatz gerade diese Produktklasse an? Gibt es da überhaupt noch eine Nachfrage?

Es gibt sichere und unsichere Anlagen. Festgeld gehört zu den sichersten Anlageformen. Hier besteht nicht nur kein Risiko, sein Eigentum zu verlieren, auch der Zinssatz ist über die gesamte Laufzeit garantiert. Das macht Festgeld bei vielen Sparern beliebt. In Deutschland ist es sogar das klassische Sparprodukt schlechthin. Aber nicht nur in Deutschland und Österreich wird Festgeld aufgrund der hohen Sicherheiten nach wie vor stark nachgefragt, auch in Holland und weiteren Ländern Europas ist Festgeld sehr beliebt. Ich denke, wir tun genau das Richtige, wenn wir uns erst einmal auf dieses Produkt fokussieren.

Sie wollen Ihren Kunden bessere Zinsen bieten, als dies deutsche Banken tun? Wie machen Sie das?

Ich kann mich noch gut erinnern, als es in Deutschland in den 1980er und 1990er Jahren noch Zinssätze von 4 bis 5 Prozent auf 1-Jahres-Festgeldeinlagen gab. Diese Zeiten sind vorbei. Heute gibt es in Deutschland im Schnitt etwa 0,4 Prozent auf einjährige Festgelder. Aber es gibt in Europa noch viele weitere sichere Länder, wo auch heute noch hohe Zinsen geboten werden. Savedo hat als Ziel, mit Banken aus diesen Ländern in Kontakt zu kommen und gemeinsam mit diesen Banken Produkte in Deutschland anzubieten. Wir arbeiten bereits mit vier Banken aus unseren Nachbarländer zusammen und bieten aktuell bis zu 2,5 Prozent Jahreszins auf Festgeld. Das ist im Gegensatz zu deutschen Zinssätzen schon sehr attraktiv.

Welche Länder sind für Savedo besonders interessant?

Was unsere Partnerbanken betrifft, die kommen aus ganz Europa. Wir sind derzeit mit rund 30 Banken in Vertragsverhandlungen. Die kommen bspw. aus Portugal, Tschechien, Norwegen oder Kroatien. In fortgeschrittenen Verhandlungen sind wir derzeit auch mit Banken aus Italien und Spanien. Auf Kundenseite sind im Moment Deutschland und Österreich interessant. Auch unsere Nachbarländer sind grundsätzlich als Märkte für uns attraktiv.

Sie verhandeln auch mit Banken aus nicht Euro-Ländern. Nach welchen Kriterien suchen Sie die Savedo-Partnerbanken aus?

Wenn wir mit Banken aus Ländern in Kontakt treten, die als lokale Währung nicht den Euro haben, stellen wir zunächst sicher, dass diese den Euro als Anlagewährung unterstützen. So können wir unseren Kunden Anlagen anbieten, bei denen kein Wechselkursrisiko besteht. Zudem gehen alle potentiellen Partnerbanken durch eine Bankenprüfung. Das machen zum einen wir selbst, daneben macht das auch unsere deutsche Partnerbank, die biw AG. Hier werden über einen Zeitraum von etwa zwei Monaten Bilanzen, Eigentümerstrukturen etc. geprüft. Erst wenn die Compliance-Abteilung der biw AG ihr OK gibt und auch wir von einer Zusammenarbeit überzeugt sind, ist eine Bank ein guter Kandidat für unsere Plattform. Und natürlich sind attraktive Zinsen auch ein wesentliches Kriterium.

Wenn eine Bank derzeit Zinsen von 2,5 Prozent bietet, ist dann das Risiko der Anlage nicht viel höher?

Wie schon erwähnt, haben auch Banken aus Deutschland, einem sehr sicheren Land mit stabiler Wirtschaftsleistung, einst hohe Zinsen von über 4 Prozent auf Festgeld geboten. Das zeigt, dass die Höhe der Zinsen von mehreren Faktoren abhängig ist und nicht nur davon, ob eine Bank groß oder klein ist oder aus einem sicheren oder vermeintlich unsicheren Investitionsland stammt.

Natürlich bestimmen sich die Zinssätze einerseits durch ein gewisses Risiko. Andererseits spielt es aber auch eine entscheidende Rolle, wie stark die Wirtschaft in einem Land auf Geld angewiesen ist. In Deutschland verfügen die meisten Großbanken über viele Einlagen, brauchen daher kein frisches Geld und bieten deshalb auch nur niedrige Zinsen an. Dies gilt etwa für die Sparkassen, die Deutsche Bank oder die Postbank. Daneben gibt es aber auch in Deutschland Banken, die Kapitalbedarf haben und daher bessere Zinsen bieten. Im Ausland ist das ähnlich. Auch dort gibt es Banken mit niedrigem Kapitalbedarf, die nur geringe Zinsen bieten, und Banken mit höherem Kapitalbedarf, die entsprechend hohe Zinsen offerieren. Uns interessieren natürlich insbesondere diejenigen Banken, die attraktive Zinsen bieten.

Savedo ist selbst keine Bank, sondern eine Plattform, die Festgeldanlagen vermittelt. Wie funktioniert das?

Unsere Plattform besteht aus einer Dreierkonstellation. Wir sind ein Partner, die ausländischen Banken sind ein Partner und unsere deutsche Partnerbank biw AG ist der dritte Akteur. Savedo kommt zu keinem Zeitpunkt mit dem Geld der Kunden in Berührung. Der Kunde eröffnet zunächst bei der biw AG ein deutsches Girokonto, das Savedo-Konto. Dieses Konto ist verknüpft mit den Angeboten unserer ausländischen Partnerbanken. Durch diese Verknüpfung unterscheidet sich das Savedo-Konto von gewöhnlichen Girokonten.  Über dieses Konto kann der Kunde in alle Festgelder, die auf unserer Plattform angeboten werden, investieren, ohne hierfür die Bank wechseln zu müssen. D.h. über die Savedo-Plattform und ein einziges Savedo-Konto sind die Angebote unterschiedlichster Banken für den Kunden zugänglich. Das ist der Charme unseres Geschäftsmodells.

Wie und von wem wird das Geld der Kunden abgesichert?

Wir arbeiten nur mit Banken aus EU-Ländern zusammen und bieten ausschließlich Festgeldanlagen bis 100.000 Euro an. Bis zu diesem Betrag sind laut EU-Recht Einlagen vollständig durch länderspezifische Einlagensicherungsfonds abzusichern. Überweist der Kunde also Geld auf sein Savedo-Konto, ist das Geld über den deutschen Einlagensicherungsfonds gesichert. Sobald das Geld auf das Festgeldkonto einer unserer Partnerbanken überwiesen wurde, greift der Einlagensicherungsfonds des entsprechenden Landes. Diese Einlagensicherung gilt übrigens pro Kunde und pro Bank. D.h. unsere Kunden können auch z.B. 500.000 Euro gesichert anlegen, wenn sie das Geld splitten und auf mehrere Festgeldkonten unterschiedlicher Banken verteilen. 

Sie haben schon angesprochen, dass Savedo in weitere Märkte expandieren will. Was heißt das konkret? Wie groß will Savedo werden?

Wir wollen unser Unternehmen zügig, aber ohne Hast weiter aufbauen. Wir konzentrieren uns mit unseren Kapazitäten derzeit vor allem auf Deutschland und Österreich, um hier unseren Kunden den bestmöglichen Service bieten zu können. Spätestens nächstes Jahr werden wir unser Angebot aber auch Sparern in weiteren Ländern Europas zugänglich machen.

Und wie sieht es auf Bankenseite aus? Können wir hier auch mit neuen Partnern und neuen Angeboten rechnen?

Genauso wie wir neue Kunden gewinnen wollen, wollen wir auch weitere Banken als Partner gewinnen. Das ist aber, wie schon gesagt, ein längerer Prozess. Gehen Sie aber mal davon aus, dass in den nächsten Wochen und Monaten hier einiges Neues bei Savedo passieren wird.

Das Interview in voller Länge finden Sie auch als Audioversion auf der Webseite der Börsen Radio Network AG (Registrierung erforderlich).