Mittlerweile dürfte wohl jeder interessierte Sparer mitbekommen haben, dass mit klassischen Geldanlagen bei deutschen Banken derzeit kaum attraktive Renditen erwirtschaftet werden können. Die Zinssätze für Sparbücher, Sparbriefe sowie für Tages- oder Festgeldkonten haben ihren historischen Tiefstand längst erreicht – und werden möglicherweise noch weiter sinken, wie Finanzexperten angesichts der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank befürchten.

Aber warum sind die Zinsen in Deutschland derzeit so niedrig? Und wie ist es gleichzeitig möglich, dass bei Banken mit Sitz in unseren Nachbarländern oftmals um ein Vielfaches höhere Renditen auf Geldeinlagen gezahlt werden? Kann ich diesen Banken und ihren Produkten überhaupt vertrauen und worauf muss ich achten, wenn ich mich zu einer Geldanlage im europäischen Ausland entscheide?

Warum zahlen deutsche Banken nur noch Mini-Zinsen?

Die Niedrigzinsen werden zum einen durch das Anlageverhalten der Deutschen bestimmt. Im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Banken, schwimmen die Geldhäuser in der Bundesrepublik regelrecht in Geld und müssen deshalb nicht mit attraktiven Zinsen um das Ersparte der Deutschen buhlen. Im Jahr 2014 hatten die Sparer nach Angaben der Deutschen Bundesbank rund zwei Billionen Euro bei Banken angelegt. Das Sparbuch, Sparbriefe sowie Tagesgeld- und Festgeldkonten sind damit nach wie vor die beliebtesten Anlageformen. Und obwohl mittlerweile nach einer Meinungsumfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zwei Drittel der Sparer hierzulande mit der Wertentwicklung ihrer Geldanlage unzufrieden sind, hält die Mehrheit an der klassischen Bankeinlage fest. Sie gilt als risikofreie Investition – etwa 90 Prozent der Sparer ist Sicherheit laut GfK-Umfrage wichtiger als Rendite.

Ein weiterer Grund für die historisch niedrigen Zinsen in Deutschland ergibt sich aus der Tatsache, dass sich die Banken bei Bedarf untereinander zu günstigen Konditionen Geld leihen können. So werden für Interbankenkredite mit einer Laufzeit von zwölf Monaten etwa nach dem Referenzzinssatz EURIBOR aktuell nur 0,26 Prozent Zinsen fällig (Stand: 06.02.2015); Anfang 2014 lag der Referenzzinssatz mit 0,55 Prozent pro Jahr noch mehr als doppelt so hoch. Dass in Deutschland Banken derzeit ihren Kunden auf Festgelder mit einjähriger Laufzeit überhaupt noch Zinsen von durchschnittlich 0,44 Prozent anbieten, kann hier fast schon verwundern.

Auch der niedrige Leitzins der EZB, der seit September 2014 bei nur noch 0,05 Prozent rangiert (im August 2008: 4,25 Prozent), sowie das Vorhaben der EZB, bis Ende 2016 rund 1,1 Billionen Euro in die europäischen Märkte zu pumpen, wird mit großer Wahrscheinlichkeit verhindern, dass unsere nationalen Banken auf absehbare Zeit wieder Anlagen mit lukrativen Renditen auf den Markt bringen.

Warum bekomme ich im Ausland meist höhere Renditen?

Die weltweite Finanzkrise von 2008 hat in allen Ländern Europas dazu geführt, dass die Zinsen für Bankeinlagen dramatisch gesunken sind. Allerdings zeigen sich hier im Ländervergleich deutliche Unterschiede. Die auseinanderdriftenden Zinsniveaus haben in erster Linie ihre Ursache in der unterschiedlichen Nachfrage der Banken nach Geld. Stark vereinfacht, lässt sich dies auf folgende Formel bringen: Je größer der Kapitalbedarf einer Bank, desto höher sind die garantierten Zinsen für die privaten Anleger. Banken aus Ländern, deren Bevölkerung über eine geringe Kaufkraft verfügt und deshalb kaum Geld ansparen kann, bieten demnach in der Regel wesentlich höhere Zinsen.

Beispiele hierfür sind u.a. die Tschechische Republik, Portugal, Rumänien oder Bulgarien. Bankhäuser dieser Länder werben inzwischen vermehrt um Kapital aus dem Ausland. Insbesondere anlagefreudige Sparer aus „reichen“ Nationen wie Deutschland sind zur Zielgruppe für die nationalen Finanzprodukte geworden. Und hierzulande bieten nun Online-Marktplätze unkompliziert die Möglichkeit, in jenen Ländern Festgeldkonten zu eröffnen. Das Ziel von Portalen wie Savedo ist klar: Sie wollen den etablierten Geldinstituten in Deutschland mit besseren Angeboten Konkurrenz machen.

Festgeld im europäischen Zinsvergleich

Im Vergleich ausgewählter Festgeldoptionen werden die erheblichen Zinsvorteile von Banken in unseren europäischen Nachbarländern deutlich. So bieten etwa die Deutsche Bank und die Commerzbank derzeit auf eine einjährige Festgeldeinlage nur 0,2 Prozent Zinsen, während etwa die tschechische J&T Banka auf Festgeld mit gleicher Laufzeit 1,8 Prozent bieten kann. Noch größer wird der Zinsunterschied beim Vergleich von Festgeldern mit fünfjähriger Laufzeit: Hier stehen Zinsen von 0,4 Prozent pro Jahr (Deutsche Bank) Renditen von 2,4 Prozent bei J&T Banka gegenüber.

Natürlich versuchen die großen Bankhäuser hierzulande, mit den Angeboten der EU-weiten Konkurrenz mitzuhalten. Sparoptionen mit Festzinsen von einem Prozent oder mehr auf Einlagen mit sechsmonatiger Laufzeit werden massiv beworben. Allerdings sind Angebote wie diese nur auf den ersten Blick, wenn überhaupt, vielversprechend. So gelten die Konditionen i.d.R. nur für Neukunden und eben nur für die sehr kurze Laufzeit von sechs Monaten. Danach fällt der Anleger wieder ins weit verbreitete Zinstief zurück – oftmals sogar ohne hierüber von seiner Bank informiert zu werden, wie Verbraucherschutzzentralen immer wieder kritisieren.

Sind meine Anlagen im Ausland überhaupt sicher?

Doch ihr hart erspartes Geld im Ausland anzulegen, ist für viele Deutsche immer noch Tabu. Zu groß sind die Ängste, dass die Vermögen außerhalb der Bundesrepublik nicht wohl behütet seien. Sind diese Vorbehalte angesichts der alarmierenden Berichterstattung der Tagespresse in der jüngeren Vergangenheit auch in Teilen verständlich, so sind sie doch oft unbegründet – sofern einige wichtige Punkte bei der Anlage beachtet werden.

So sollten deutsche Sparer davon absehen, ihr Geld in anderen Währungen als etwa dem stabilen Euro anzulegen. Nur so lassen sich Währungsrisiken umgehen, da eventuelle Wechselkursschwankungen der nationalen Währung keine Rolle spielen. Daneben sollte auch darauf geachtet werden, dass die Anlagesumme 100.000 Euro pro Bank und Kunde nicht übersteigt. Denn nur bis zu dieser Grenze müssen die Sparguthaben bei Banken im EU-Ausland durch nationale Einlagensicherungsfonds garantiert werden. Wer mehr Geld zur Verfügung hat, kann sich zwar glücklich schätzen, sollte aber bedenken, dass im Falle einer Bankeninsolvenz eben nur die 100.000 Euro gesichert sind.

Und nur der Vollständigkeit wegen sei abschließend noch darauf hingewiesen, dass man nie seine kompletten Ersparnisse auf eine Karte setzen sollte. Keineswegs als Angsthasen fühlen sollten sich also all jene, die zwei bis drei Monatsgehälter als „Notgroschen“ bei ihren Hausbanken deponieren – Niedrigzinsen hin oder her.