Das Finanzportal Kritische Anleger bietet täglich unabhängige Informationen rund um das Thema Geldanlage. Vergleiche aktueller Tages- und Festgeldangebote sowie Erfahrungsberichte helfen Sparern bei der Entscheidung für eine passende Kapitalanlage. Gründer und Redaktionsleiter Stefan Erlich kennt die Anliegen seiner Leser und sieht im derzeitigen Wandel der Finanzbranche eine logische und sinnvolle Entwicklung, die neben großen Chancen aber auch Risiken mit sich bringt.

Testen, Bewerten, Vergleichen: seit 2012 informiert das unabhängige Finanzportal kritisch über die beliebtesten Anlageformen der Deutschen. - Quelle: Kritische Anleger

SAVEDO: In wie weit hat sich das Sparverhalten der Deutschen in den vergangenen zehn Jahre verändert?

Erlich: Wenn man sich die Entwicklung der Kundeneinlagen bei deutschen Banken anschaut, sieht man in der letzten Dekade einen überwiegend linearen Trend nach oben, das heißt, die Deutschen sind immer noch Sparweltmeister – trotz der relativ niedrigen Zinsen in den letzten Jahren. Was sich allerdings definitiv geändert hat, ist die Präferenz der Kunden für Direkt- und Onlinebanken. Leider geizen die Sparkassen mit Daten, wenn es um die Anzahl ihrer Kunden geht, aber allein die stetig sinkende Zahl der Sparkassen-Filialen zeigt deutlich, dass sich viele Anleger nach neuen Banken umgesehen haben – völlig zurecht natürlich. Dieser Trend wird auch weitergehen, denn noch immer liegen immense Beträge auf kaum oder gar nicht verzinsten Sparbüchern. Da macht der Wechsel zu einer Direktbank mit relativ gut verzinstem Tagesgeldkonto absolut Sinn.

SAVEDO: Worin investieren Deutsche momentan am meisten und welche Gründe sehen Sie dafür?

Erlich: Da Kritische Anleger als Verbraucherportal sehr auf Tages- und Festgeld fokussiert ist, haben wir natürlich keinen kompletten Überblick über den Markt. Gefühlt fokussieren sich die meisten Anleger aber weiterhin auf genau diese klassischen Anlagekonten. Auch die fast schon totgesagten Lebens- und Rentenversicherungen laufen wohl noch extrem gut, was für mich, ehrlich gesagt, überraschend war. Definitiv gewonnen haben aber Festgelder im Vergleich zu Tagesgeld, vermutlich wegen der höheren Rendite.

SAVEDO: Wie gehen Deutschland und die Welt mit dem rasanten Wachstum neuer Finanztechnologien („FinTech“) um? Wird es schon bald normal sein, alle Geldgeschäfte – von der Geldanlage bis zur Rechnungszahlung – online abzuwickeln?

Erlich: Sind wir nicht eigentlich schon jetzt sehr nah an diesem Punkt? Die Deutschen lieben zwar noch immer ihr Bargeld, aber sowohl mein DSL- als auch mein Strom-Anbieter schicken schon heute keine Papierrechnungen mehr und buchen alles direkt vom Konto oder der Kreditkarte ab. Ich bin bei einer Onlinebank und habe noch nicht einmal mehr die Möglichkeit, in einer Filiale Geld einzuzahlen (was im Alltag überhaupt kein Problem darstellt). Selbst im geschäftlichen Bereich sind digitale PDF-Rechnungen mittlerweile eigentlich schon Standard.

Interessant werden aus meiner Sicht noch die Bereiche Crowdfunding und Mobile Payment sein. Gerade bei Letzterem warte ich gespannt auf einen Anbieter, der diese Nuss endlich für die große Masse knackt. Da haben sich schon viele daran versucht und nun probiert es ja auch Apple. Wir werden sehen, ob es funktioniert. Auch beim Crowdfunding bin ich gespannt auf die zukünftige Entwicklung, denn das Thema hat das Potential, die Art und Weise, wie wir Geld anlegen, komplett zu verändern. Man stelle sich nur vor, man könnte mit wenigen Klicks, ohne Unterstützung einer Bank, z.B. 20.000 Euro in ein breit gestreutes Portfolio von Projekten zu investieren, und das in verschiedensten Bereichen wie z.B. Immobilien, Energieeffizienz, Infrastruktur, erneuerbare Energien. Noch sind wir nicht soweit, aber ich denke, derartige Modelle werden kommen.

SAVEDO: Wie sieht Ihre Prognose für den deutschen Sparer in fünf Jahren aus?

Erlich: Was die Zinsentwicklung angeht, bin ich mir selbst nicht so ganz sicher. Einerseits können wir bei den riesigen Schuldenbergen, die wir mittlerweile angehäuft haben, gar nicht anders, als die Zinsen niedrig zu halten, sonst würde Europa wohl schneller zerfallen als wir „Rettungsfonds“ rufen können. Auf der anderen Seite erwartet gefühlt der komplette Markt dauerhaft niedrige Zinsen. Solch überwältigende Einigkeit ist an den Märkten häufig ein guter Kontraindikator, also eigentlich ein Zeichen dafür, dass die Zinsen u.U. doch schneller steigen könnten, als wir uns das aktuell vorstellen. Ich würde extrem lange Laufzeiten bei Festgeldern daher derzeit eher vermeiden. Zu unsicher erscheint die weitere Entwicklung.

Beim aktuellen FinTech-Boom, dem Aufschwung neuer Finanztechnologien, bin ich insgesamt etwas skeptischer als viele meiner Kollegen. Viele Konzepte aus diesem Bereich sind meiner Einschätzung nach ein wenig „overhyped“ und dürften sich langfristig als nicht profitabel herausstellen. Wirklich spannend finde ich aber das Thema Crowdfunding (insbesondere wenn wir hier in Zukunft einmal wirklich viele Projekte zu sehen bekommen), den Bereich Anlagemarktplätze (wie z.B. Savedo) und auch die bereits erwähnte „harte Nuss“ Mobile Payments. Darüber hinaus ist meine Erkenntnis aus den vielen Gesprächen mit Anlegern aber, dass der überwiegende Teil das Thema Finanzen als eher lästig empfindet. Da müssen schon wirklich tiefliegende Probleme gelöst werden, um die Aufmerksamkeit der Nutzer zu gewinnen. Ein „Wir machen jetzt ein besseres Girokonto mit App!“ reicht da einfach nicht aus.

SAVEDO: Bei dieser Skepsis ist es umso spannender zu wissen, ob Sie das Konzept von Savedo als zukunftsfähig einstufen?

Erlich: Auf jeden Fall, denn Anleger profitieren von einem breiten Spektrum an Anlagebanken und -produkten, die sie über nur ein Konto nutzen können, während die Banken ihr Einlagengeschäft dadurch verschlanken und Kosten senken können.